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Scheinehen und Verkehrsunfälle - Karriere als Versicherungsdetektiv

04.02.2014

Arbeit im Verdeckten: Raoul O. Classen (45) ist operativer Leiter des internationalen Ermittlungsbüros DETEK in Hamburg. Als Detektiv ist er dabei Wirtschaftsverbrechen ebenso auf der Spur wie Versicherungsbetrügern. Der Artikel des Online-Portals "abi" gibt interessante Einblicke in den Alltag und die spannenden Fälle eines Detektives.

Manchmal muss Detektiv Raoul O. Classen ganz schön viel Geduld mitbringen: Vor allem bei der Observation von Zielpersonen. „Es können schon locker bis zu 18 Arbeitsstunden sein, die man im Auto oder in einem Gebäude verbringen muss", erklärt der Privatermittler. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt zwar auf der Aufklärung und Abwehr von Industriespionage, aber als privater Ermittler ist er daneben in vielen anderen Bereichen tätig, in etwa 20 Prozent der Fälle in der Versicherungswirtschaft. Die grundlegenden Arbeitsschritte eines Detektivs unterscheiden sich dabei trotz der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder kaum. „Am Beginn steht immer das Auftragsgespräch mit dem Kunden, um dann im Anschluss die Strategie für die Aufklärung des Falls auszuarbeiten." Dabei kommen die Entscheider der Versicherung auf den Ermittler zu, briefen ihn und erstellen einen Ermittlungsauftrag. Fachkenntnisse in der Versicherungswirtschaft hat er sich so quasi nebenbei angeeignet, „learning by doing". Hier ist ebenso große Genauigkeit gefragt wie bei der umfassenden Recherche zur Zielperson, denn ohne grundlegende Informationen lässt sich kein Fall lösen. „Findet man irgendwann nicht mehr genügend Auskünfte, beginnt man sogenannte legendierte Befragungen, das heißt, man konstruiert Geschichten zur Informationsgewinnung am Telefon oder vor Ort mit vorher ermittelten Auskunftspersonen. Dabei benötigt man natürlich ein hohes Maß an Spontanität und kreativem Denken", führt er weiter an.

Auch die Schreibarbeit kommt nicht zu kurz, denn nach jeder Ermittlung muss ein Bericht angefertigt werden, der manchmal bis zu 40 Seiten umfassen kann. Danach folgt dann das abschließende Gespräch mit dem Auftraggeber. „Ein gelöster Fall freut den Kunden natürlich genauso wie mich", sagt er. Es gibt Aufträge, die nach einem Tag erledigt sind. Manchmal arbeitet der Privatermittler auch an Fällen, die ihn über ein Jahr lang beschäftigen. Der Durchschnitt liegt allerdings bei etwa drei Wochen.

Von seinen Erfahrungen in der Versicherungswirtschaft sind dem Detektiv so manche Fälle in Erinnerung geblieben, mitunter besonders dreiste Versuche von Versicherungsbetrug. „Ein Angestellter, der sich wegen starken Beschwerden im Rücken über sechs Monate hat krankschreiben lassen, wurde durch Observation dabei überführt, wie er ein komplettes Haus gebaut hat. Sein Arbeitgeber wusste natürlich genauso wenig davon wie seine Krankenkasse." In diesem Fall kamen dem Unternehmen Zweifel an der Krankschreibung auf, weil die „Zielperson" im Baumarkt beim Einkaufen gesichtet wurde. Weil die Krankenkasse mit zunehmender Krankschreibung für die Lohnfortzahlung zuständig war, kooperierte sie mit dem Unternehmen und setzte dazu einen Ermittler ein: „Oft ist es ein Gefühl", weiß Raoul O. Classen.

Aber solche Fälle sind eher die Ausnahme. Viel häufiger geht es um manipulierte Verkehrsunfälle oder mutwillig in Brand gesteckte Immobilien, um sich so die Versicherungssummen zu erschleichen. Manchmal sind die Fälle zwar gesetzlich eindeutig, aber vom menschlichen Standpunkt durchaus verständlich. „Besonders eindrücklich war der Fall einer Scheinehe, bei der ein deutscher Staatsbürger eine kranke Asiatin geheiratet hat, um ihr in Deutschland eine Versicherung zu ermöglichen. Nur so konnte sie ihre teuren Medikamente bekommen. Aber auch hier muss man die professionelle Objektivität wahren und die Gesetzesvorgaben achten", erklärt Raoul O. Classen. Gesetzliche Krankenversicherungen sind von solchen Fällen genauso betroffen wie private.

Um solchen Betrügern auf die Schliche zu kommen, reicht die Arbeit von Schadensregulierern bei Versicherungen meistens nicht aus. Sie klären zwar den Vorfall, fordern Beweise ein und stellen fest, ob bestimmte Versicherungsklauseln erfüllt werden oder nicht. Kommen ihnen allerdings Zweifel, muss ein Versicherungsdetektiv ran, der die Geschichte hinter dem versuchten Betrug aufklären soll. Diese können fest bei den Versicherungsunternehmen angestellt sein – oder im Fall von Raoul O. Classen wird ihre Dienstleistung über eine Detektei eingekauft.

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Quelle: Online-Portal "abi>> dein weg in studium und beruf"

Wenn Sie sich für eine berufliche Weiterbildung zum Detektiv interessieren, informieren Sie sich auf dem Internetauftritt der Deutschen Akademie für Ermittlungsdienste.

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