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Schwarzarbeiter-Netzwerk aufgeflogen

03.06.2014

Tausende Bauarbeiter beschäftigt

Quelle: Christian Erber, NDR (www.tagesschau.de/wirtschaft/schwarzarbeit130.html)

Durch Schwarzarbeit entsteht volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe. Nach Recherchen von NDR, WDR und "SZ" haben Ermittler nun ein kriminelles Netzwerk ausgehoben: Es beschäftigte offenbar mehrere tausend Schwarzarbeiter auf Baustellen.

Von Christian Erber, NDR

200 Zollbeamte, Polizisten und Steuerfahnder haben 20 Baufirmen in Berlin und München durchsucht. Dabei kam es zu sieben Festnahmen, nach zwei Verdächtigen wird noch gefahndet. Die Staatsanwaltschaft München wirft den Beschuldigten vor, ein bundesweit organisiertes, kriminelles Netzwerk betrieben zu haben.

Jahrelang seien Rechnungen an Scheinfirmen ausgestellt worden. Auf diese Weise wurden offenbar zweistellige Millionenbeträge erwirtschaftet, mit denen man mehrere tausend Schwarzarbeiter auf Baustellen bezahlt hätte. Weil die Firmen weder Lohnsteuer noch Sozialabgaben korrekt abgeführt hätten, seien Bund, Kranken- und Rentenkassen ein Schaden in Millionenhöhe entstanden.

Ein Fall, wie er in der Branche leider häufig vorkomme, sagt der Vorsitzende der zuständigen Gewerkschaft IG BAU, Robert Feiger: "Wir haben hier sehr dramatische Entwicklungen. Das große Problem ist, dass organisierte Schwarzarbeit ein finanziell höchst attraktives Feld bietet. Ähnlich wie im Bereich organisierte Kriminalität, Drogenhandel oder beispielsweise beim Zigarettenschmuggel."

Effektive Kontrollen sind kaum möglich

Vor allem die Intransparenz fördert Schwarzarbeit im Baugewerbe. 70.000 offiziell gemeldeten Firmen steht eine Vielzahl von Subunternehmen gegenüber, deren Mitarbeiter meist mehrere Baustellen parallel betreiben und von A nach B reisen. Effektive Kontrollen sind so kaum möglich. Das zuständige Bundesfinanzministerium verspricht Besserung. Zum 1. Oktober will es die Finanzkontrolle Schwarzarbeit neu strukturieren und dadurch schlagkräftiger machen.

IG Bau-Chef Feiger bezweifelt, dass das ausreicht, um den Schwarzarbeiter-Sumpf im Baugewerbe trockenzulegen. Dafür müsse man die Zahl der Ermittler deutlich aufstocken: "Die Sonderkontrolle Schwarzarbeit ist personell leider nicht so ausgestattet, wie wir das für eine effektive Kontrolle brauchen. Wir haben zum Beispiel 400 von 6200 Stellen nicht besetzt."

Schaden in Milliardenhöhe

Welches Ausmaß Schwarzarbeit in der deutschen Bauwirtschaft angenommen hat, lassen Zahlen des Tübinger Instituts für Angewandete Wirtschaftsforschung erahnen. Direktor Bernhard Boockmann: "Innerhalb der Schwarzarbeit ist die Baubranche die Branche mit dem höchsten Aufkommen von Schwarzarbeit. Es gibt Schätzungen die sagen: bis zu einem Drittel der geleisteten Schwarzarbeit findet dort statt." Das würde bedeuten, dass allein in diesem Jahr durch Schwarzarbeit in der Baubranche ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe entsteht.

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