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Wie Privatdetektive heute arbeiten

22.12.2015

Quelle: Augsburger Allgemeine (Katharina Dodel)

Detektive aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich in Finningen (Kreis Neu-Ulm). Ein Einblick in eine Welt zwischen Affären, Betrügereien und viel Kreativität.

Wenn Classen in eine Wohnung gelangen will, um mehr über den Mieter herauszufinden, dann legt er sich eine Geschichte (eine „Legende“) zurecht. Ein Beispiel: Als Kameramann eines TV-Senders klingelt er an der Tür, gibt vor, für Dreharbeiten die Sicht vom Balkon aus testen zu müssen und schon wird ihm Eintritt gewährt. Classen ist einer von rund 1600 Detektiven in Deutschland. 75 von ihnen und aus Österreich und der Schweiz sind gestern nach Finningen gereist, um an diesem Wochenende beim Fortbildungsseminar über Aufträge, branchenrelevante Gerichtsurteile oder Internetrecherche zu sprechen.

Um so erfolgreich zu werden wie der wohl bekannteste Detektiv, Sherlock Holmes, sei vor allem eines gefragt: Genauigkeit und Professionalität, sagt Classen, Leiter des Lehrinstituts des BDD. „Wenn schlampig ermittelt wird, kann es sein, dass eine unschuldige Person gefeuert wird oder gar vor Gericht landet.“ Und Genauigkeit kann mühsam sein: „So eine Observation vor einem Privathaus kann Stunden dauern“, sagt der 48-jährige Hamburger.

80 Prozent der Auftraggeber kommen aus der Wirtschaft

Dabei würden er und seine Kollegen nie so vorgehen, wie im Nachmittagsprogramm der Privatfernsehsender gezeigt: „Wir bringen keine Wanzen an, um Leute abzuhören, oder filmen in irgendwelche Umkleidekabinen“, sagt Classen, der immer wieder gegen das schlechte Schnüffler-Image der Privatermittler ankämpft. „Wir orientieren uns streng an der Gesetzeslage.“ Ihr schauspielerisches Talent setzen Detektive hingegen immer ein: „Man muss schon so tun können, als spiele man gelegentlich Golf, wenn man auf dem Golfplatz ermittelt.“

Wer seine Dienste oder die eines Kollegen in Anspruch nehmen will, wird erst einmal zum persönlichen Gespräch gebeten. „Dabei prüfen wir, ob überhaupt ein konkreter Verdacht, ein rechtliches Interesse vorliegt. Wir ziehen nicht auf gut Glück los.“ Zu 80 Prozent kommen diese „Auftraggeber“ aus der Wirtschaftsbranche, nur 20 Prozent seien Privatpersonen. Classen nennt Beispiele: Da wäre der Arbeitnehmer, der seit sieben Monaten krank ist, aber schon im Blaumann im Baumarkt gesehen wurde. „Damals stellte sich heraus, dass dieser Mann den Sommer dafür genutzt hat, sein Haus zu bauen, statt arbeiten zu gehen.“ Classen schreibt seine Ermittlungsergebnisse nieder und übergibt sie beispielsweise dem Firmenchef. „Dann ist die Sache für mich abgehakt“, sagt der 48-Jährige. In den seltensten Fällen bekomme er mit, was mit den „Zielpersonen“ danach passiert. Doch eines sei sicher: Nicht immer landen die kriminellen Vorfälle – wie Diebstähle oder Betrügereien – bei der Polizei.

"Firmen liegt viel daran, dass ein Vorfall nicht an die Öffentlichkeit gerät"

„Die Wirtschaftskriminalität ist viel höher, als in der Polizeistatistik dargestellt“, sagt Classen: „Haben Sie schon einmal von einem stehlenden Mitarbeiter am Schalter einer Bank gehört?“ Er beantwortet die Frage gleich selbst: „Nein. Den Firmen liegt viel daran, so einen Vorfall nicht an die Öffentlichkeit zu bringen.“ Dafür gebe es Detektive, die dem Betrüger oder Dieb auf die Schliche kommen. Wie dieser bestraft wird, entscheide die Firma selbst. Dass die Arbeit der Detektive oft mit Affären und Ehebrechern in Verbindung gebracht wird, liege daran, dass bis 1977 der Verstoß eines Partners vorliegen musste, damit eine Scheidung überhaupt erst möglich war. Damals wurden dafür oft Detektive eingesetzt, die nachweisen sollten, dass der Ehemann oder die Ehefrau untreu sind.

Doch immer wieder landen auch heute noch solche Fälle auf Classens Schreibtisch: Er erzählt von einer „kreativen Frau“, die sich von ihrem Mann, dem Auftraggeber, für ein Mädels-Wochenende zum Bahnhof bringen ließ, sich liebevoll verabschiedete, um dann eine Haltestation weiter einen anderen Mann im teuren Cabriolet liebevoll zu begrüßen. Was für den einen eine Welt zusammenbrechen lässt, ist für Classen ein Moment, der ihn in seiner Arbeit bestätigt: „Das, was ich mache, dient einer guten Sache.“ In diesem Punkt ähneln er und seine Kollegen dem TV-Ermittler Matula. „Wir lieben diesen Beruf, weil wir dazu beitragen, dass Leute ihr Recht bekommen.“

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