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Beufs-Porträt Detektiv

02.11.2016

"Jeden Tag menschliche Abgründe - das ist faszinierend"

Quelle: www.ard.de (Ingo Fischer)

"Miese Schnüffler" gibt es laut Raoul Oliver Classen nur im Fernsehen. "Echte Detektive stehen immer auf der richtigen Seite", verkündet der 49-Jährige Hamburger mit Inbrunst. Dafür, dass seinen Auftraggebern Gerechtigkeit widerfährt, tut er alles - wenn es sein muss, auch 18 Stunden lang bei minus 20 Grad im Autos sitzen.

ARD.de: Sie sind Detektiv - warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Raoul Oliver Classen: Ich hatte ein neues berufliches Betätigungsfeld gesucht, wo ich das Knowhow meiner vielen sicherheitsbezogenen Ausbildungen in einem zivilen Umfeld anwenden wollte. Als Informationsschützer und Informationsbeschaffer für die Wirtschaft hat sich diese Option für mich ergeben. Als Detektiv stehe ich grundsätzlich auf der richtigen Seite und helfe Menschen, ihr Recht zu bekommen. Das ist ein tolles Gefühl, und Gerechtigkeit ist ein starker Antrieb.

Wie verlief Ihre Ausbildung - auf welchen Wegen sind Sie das geworden, was Sie heute sind?

Zunächst einmal habe ich umfangreiche militärische Spezialausbildungen durchlaufen, unter anderem bei der Nato. Diese besonderen, erlernten Fähigkeiten sind auch für Unternehmen von großem Interesse und Nutzen. Ich bin damals quasi abgeworben worden, um in die Wirtschaft zu wechseln. Ich habe dann noch zusätzlich Detektivlehrgänge besucht, um mich noch besser den Anforderungen des Marktes stellen zu können. Diese Kombination hat mir sehr geholfen. Aber auch das große Glück, einen großartigen, sehr erfahrenen Privatermittler zu kennen, der mich vor vielen Jahren in diese Branche eingeführt hat.

Was tun Sie konkret in Ihrem Beruf - können Sie bitte Ihren typischen Arbeitstag von Dienstbeginn bis Feierabend beschreiben?

Der Ablauf ist meistens wie folgt: Zunächst gibt es ein Auftragsgespräch beim Kunden, dann erstellen wir im Ermittlerteam eine Strategie, wie wir den erteilten Auftrag erfolgreich ausführen können. Danach klären wir die aktuelle Anschrift der Zielperson oder Firma und beginnen mit intensiven Recherchen. Meistens folgen dann auch komplizierte Observationsmaßnahmen. Alles muss natürlich verschriftlicht und dem Auftraggeber in Berichtsform übermittelt werden. Nicht selten endet ein Ermittlungsprojekt später vor Gericht. Hier muss der Ermittler dann als Zeuge aussagen. Insgesamt handelt es sich um eine sehr anspruchsvolle Arbeit, die sehr viel Wissen und Erfahrung voraussetzt, um erfolgreich arbeiten zu können. Die übliche Ermittlungsarbeit lässt sich kaum mit der Fernsehwelt der Detektive vergleichen. Da wird leider sehr viel Unfug gezeigt, und der Fall ist dann in 45 Minuten gelöst.

Ist Ihr Beruf so, wie Sie ihn sich vorgestellt haben, ehe Sie ihn erlernt haben?

Ja, voll und ganz. Dass es inzwischen auch sehr viele Auftraggeber aus dem Ausland gibt und die Ermittlungen häufig auch in anderen Ländern erfolgen müssen, macht die Sache natürlich noch spannender und lehrreicher. Das hatte ich früher so nicht erwartet.

Wie hat sich Ihre Tätigkeit seit Ihrem Berufseinstieg bis heute verändert?

Die modernen Kommunikationsmittel sind einfach genial. Ich kenne es noch, als man sich zu einer bestimmten Uhrzeit in einer öffentlichen Telefonzelle anrufen ließ, um eine Lageberichterstattung durchzugeben. Das ist gerade einmal 20 Jahre her. Aber auch das Internet bietet paradiesische Zustände für Informationsbeschaffer. Es ist einfach unglaublich, was Menschen alles über sich ins Netz stellen. Mit wenigen Mausklicks wird die Wohnanschrift sichtbar und man findet die Generation bis 45 Jahre nahezu vollständig irgendwo in den sozialen Medien. Das ist erschreckend und hilfreich zugleich.

Wenn Sie in die Zukunft blicken - wie, glauben Sie, wird Ihr Beruf dann aussehen - wird es ihn in, sagen wir 20-30 Jahren überhaupt noch geben?

Ganz sicher. Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen wächst stetig, und der Bedarf an Informationen ebenfalls. Schnell und präzise müssen sie sein, und vor allem müssen sie stimmen. Verifikationen können nur durch Profis erfolgen.

Lieben Sie Ihren Beruf?

Absolut! Detektive helfen Menschen. Unsere Arbeit sorgt häufig für mehr Gerechtigkeit. Wir haben es täglich mit den menschlichen Abgründen und Schwächen zu tun. Das ist faszinierend. Trotzdem habe ich den Glauben an die Menschheit noch lange nicht verloren. Ein guter Detektiv zeichnet sich durch größtmögliche Präzision aus. Das ist eine permanente Herausforderung und ewiger Ansporn, um noch besser zu werden. Das lässt einen nicht mehr los - quasi die ewige Liebe.

Wie hoch schätzen Sie die Anerkennung der Gesellschaft für Ihren Beruf ein - und in welchem Verhältnis steht die Höhe der gesellschaftlichen Anerkennung zu Ihrem Honorar?

In Deutschland kennen viele diesen Beruf und die Dienstleistungen gar nicht. Sie glauben, das gibt es nur im Fernsehen. Andere Länder sind da sehr viel weiter. Da ist der "PI" sehr viel präsenter in den Köpfen der Entscheider. Leider wird durch einen Teil der Medien auch das Schnüffler-Klischee bedient. Das stimmt so nicht. Die meisten Detektive in Deutschland arbeiten sicherlich seriös und nur bei einem berechtigen Interesse ihres Aufraggebers. Da Detektive fast immer im Hintergrund bleiben wollen und müssen, werden ihre großen Erfolge nur sehr selten bekannt.

Angenommen, Sie wären heute in dem Alter, in dem Sie sich für Ihren jetzigen Beruf entschieden haben - würden Sie noch einmal dieselbe Wahl treffen?

Ja, immer wieder würde ich diesen Beruf auswählen. Auch wenn es hart ist, 18 Stunden oder noch länger bei minus 20 Grad in einem Auto observieren zu müssen. Und das manchmal über viele Tage hintereinander. Da kommen manchmal schon Zweifel. Trotzdem: Ich liebe es. Es ist meine Berufung!

Was raten Sie jungen Menschen, die heute einen Beruf in Ihrer Branche beginnen wollen?

Zunächst eine solide Ausbildung in einem Lehrberuf und möglichst viel Lebenserfahrungen sammeln. Ab etwa 30 Jahre ist es wohl erst sinnvoll, sich dem Markt zu stellen. Der Bundesverband Deutscher Detektive ist sicherlich ein erstklassiger und kompetenter Ansprechpartner. Hier gibt es einen speziellen Ansprechpartner für junge Interessierte und Berufseinsteiger. Hilfestellungen von Profis sind sehr wichtig, um in der Branche erfolgreich Fuß zu fassen.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die zunehmende Digitalisierung auf die Arbeitswelt und auf die Gesellschaft auswirken - welche Chancen und welche Risiken sehen Sie?

Ich sehe die zunehmende Digitalisierung kritisch. Die Informationen werden oder können vernetzt werden. Der Mensch ist somit fast gläsern geworden. Da es hundertprozentige Sicherheit nicht gibt, werden auch diese Daten niemals sicher sein können. Die Frage ist auch, stimmen diese ganzen erfassten Daten eigentlich? Wir dürfen uns niemals blind auf alles verlassen, was wir an Informationen aus dem Netz abrufen können. Ich denke, die Digitalisierung birgt große Risiken und Gefahren. Auch wenn sie die Arbeitswelt häufig vereinfacht und Abläufe beschleunigt.

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