... mit dem Blick für's Wesentliche.

Spürnasen in privatem Auftrag

17.11.2016

Quelle: www.rhein-wupper-manager.de (17.11.2016)

von Stefan Mülders

Im Konflikt zwischen Betrieben und Mitarbeitern ist die Einschaltung privater Detektive oft die diskretere Lösung.

Sher­lock Holmes ist vielleicht der berühmteste un­ter ih­nen, Mag­num der größte Ma­cho, Ma­t­u­la der deutsche Draufgänger, die Tro­va­tos ste­hen für die schein­bare Re­al­ität, Tim und Strup­pi sind für „die Klei­nen“ ge­macht und TKKG und Die drei ??? eher für die Ju­gend: De­tek­tive und Geschicht­en rund um ihre Ar­beit ex­istieren in Lit­er­a­tur und TV sehr viele, ihre er­fun­de­nen und nachemp­fun­de­nen Fälle sind sel­ten mehr und häu­fig weniger nah an der tat­säch­lichen Ar­beit pri­vater Er­mittler dran. Von Mord und Totsch­lag sind die Aufträge tat­säch­lich­er De­tek­teien näm­lich weit ent­fer­nt.

„Zwischen 70 und 80 Prozent unser­er Aufträge stam­men aus der Wirtschaft“, sagt Raoul Classen, Präsi­dent des Bun­desver­ban­des Deutsch­er De­tek­tive (BDD) mit ei­gen­er De­tek­tei in Ham­burg. Und diese haben viel­fach mit der Über­prü­fung oder Überwachung von Mi­tar­beit­ern zu tun, die in Ver­dacht ger­at­en sind. „Da ge­ht es dann zum Beispiel um Miss­brauch von Krankschrei­bun­gen. Statt zur Ar­beit zu kom­men, fin­d­et sich der Mi­tar­beit­er im Blau­mann beim Bau­markt-Bum­mel.“ Auch Dieb­stäh­le führen oft zu Überwachungs­maß­nah­men in Be­trieben. Gek­laut würde näm­lich na­hezu alles, was nicht ni­et- und nagelfest ist. Eben­so ge­hört die Über­prü­fung bei Ver­dacht auf Abrech­nungs­be­trug, meist durch Spe­sen und Fahrtkosten von Außen­di­en­stlern, zum Auf­gaben­spek­trum von De­tek­teien. An Be­deu­tung zugenom­men hat die Er­mittlung bei Pa­ten­trechtsver­let­zun­gen oder Ver­dacht auf In­dus­tries­pi­o­n­age. Dabei sind grund­sät­zlich zwei Wege denk­bar: Der un­er­laubte Zu­griff von außen und Il­loy­al­ität von Mi­tar­beit­ern. Die Ur­sachen dafür sind vielfältig, die Lö­sung manch­mal ganz ein­fach.

Sicher­heits- und Schwach­stel­le­n­a­nal­yse

Eine der er­sten Maß­nah­men ist in der Regel eine Sicher­heits- und Schwach­stel­le­n­a­nal­yse in­n­er­halb des beauf­tra­gen­den Un­terneh­mens. „Schon dabei lassen sich oft die Daten­leck­a­gen und Durch­läs­sigkeit­en aufdeck­en, die meis­tens nicht ein­mal böswil­lig in­s­tal­liert wur­den und auch nicht tech­nisch be­d­ingt sind“, sagt Classen. „Beispiel­sweise wird Pa­pi­er mit sen­si­blen In­for­ma­tio­nen ungeschred­dert in den Müll gegeben, lan­det im of­fen zugänglichen Con­tain­er an der Straße und kann dort von je­dem einge­se­hen und auch einge­sam­melt wer­den. Selb­stver­ständlich kommt dann spätestens hi­er die böse Ab­sicht ins Spiel.“ Doch auch auf an­deren We­gen kann die Konkur­renz an sen­si­ble In­for­ma­tio­nen aus dem Un­terneh­men kom­men. Am Rande von Fachmessen beispiel­sweise, wo sich potenzielle Kun­den und Aushorch­er der Konkur­renz meist nur sch­w­er vonei­nan­der un­ter­schei­den lassen, kann sch­nell man die eine oder an­dere In­for­ma­tion zu viel ver­breit­et sein. Auch die harm­lose Plaud­erei abends in der Hotel­bar ist leicht vom Neben­tisch aus abge­hört. Auch be­liebt: Die Ar­beit am Note­book in der Öf­fentlichkeit. Ob im Café, der Ho­tel-Lob­by oder im Zug: Im­mer beste­ht die Ge­fahr, dass je­mand über die Schul­ter schaut und gezielt In­for­ma­tio­nen ab­greift. „Für alle diese Fälle gilt es, die Sen­si­bil­ität der Mi­tar­beit­er generell zu er­höhen. Mutwil­ligkeit kann hi­er je­den­falls in den meis­ten Fällen nicht un­ter­stellt wer­den und doch ist der Scha­den fürs Un­terneh­men oft­mals sehr hoch.“

Se­riosität und Diskre­tion

Eine gute De­tek­tei in der Nähe zu fin­d­en kann schon de­shalb eine Hürde sein, weil der Berufs­be­griff nicht geschützt ist. Jed­er darf un­ter die­sem Ti­tel Di­en­stleis­tung an­bi­eten, auch ohne Aus­bil­dung und spezielle Qual­i­fika­tion. „Da­her ist es grund­sät­zlich ein gutes Zeichen, wenn die De­tek­tei Mit­glied eines deutschen oder in­ter­na­tio­nalen Ver­ban­des ist, der für die Branche ste­ht“, sagt Raoul Classen. „Der BDD beispiel­sweise legt Wert auf Se­riosität und die Prü­fung sein­er Mit­glieds­be­triebe. Und an­dere Ver­bände machen das auch.“ Doch die größte Masse der De­tek­teien sei gar nicht in Ver­bän­den or­gan­isiert und auch un­ter ih­nen seien viele gute und ser­iöse dabei. So könne man davon aus­ge­hen, dass das Al­ter eines beste­hen­den Be­triebs ein In­diz für die Güte und Se­riosität sein dürfte. Wenn De­tek­teien zu­dem häu­fig Vorträge hal­ten und über ein ausgedeh­ntes Net­zw­erk ver­fü­gen, sollte die Ge­fahr eines „Fehl­griff­s“ eben­falls ger­ing sein. „Da­her ist ei­gentlich das Empfeh­lungs­mar­ket­ing ein­er der größten Auf­trags­bringer in unser­er Branche. Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da ist enorm wichtig.“ So gibt Classen die Empfeh­lung, sich im Be­darfs­fall ein­fach mal im ei­ge­nen Un­terneh­mer­net­zw­erk umzuhören, wer gute Er­fahrun­gen mit De­tek­teien ge­macht hat.

Die konkreten Kosten für eine Beauf­tra­gung kön­nen hinge­gen stark variieren. In der Regel wird nach Zei­taufwand abgerech­net, oft­mals zusät­zlich eine Grundge­bühr er­hoben und Kilome­tergeld vere­in­bart. Das Stun­den­hono­rar variiert dabei zwischen 50 und 200 Eu­ro, wie Raoul Classen aus der Er­fahrung zu bericht­en weiß. „Ger­ade bei Ob­ser­va­tio­nen ist es sch­w­er, eine Pauschale zu vere­in­baren. Da­her wird häu­fig auf­grund von Er­fahrungsw­erten ein Bud­get vere­in­bart, das zunächst nicht über­schrit­ten wer­den soll. Ist die­s­es er­reicht, wird ein Sach­s­tand mit­geteilt und gegebe­nen­falls nachver­han­delt.“

De­tek­ti­var­beit im pri­vat­en Bereich

Sie sind zwar die Min­der­heit im Auf­trags­buch, aber auch aus dem pri­vat­en Bereich her­aus wer­den De­tek­tive beauf­tragt. Vor eini­gen Jahren spielte dabei der Be­trugs­nach­weis für Schei­dungsver­fahren noch eine große Rolle, seit Än­derung der Recht­s­lage hat sich das aber geän­dert. Den­noch sind es vor allem Bezie­hungskon­f­likte, die zur Ein­schal­tung von De­tek­teien führen. Sorg­erechtsstre­itigkeit­en, Un­ter­halt­sentzug oder Erb­schafts­fra­gen sind es, mit de­nen sich die „echt­en“ De­tek­tive au­sei­nan­dersetzen. Die Er­mittlungsergeb­nisse haben dann zumeist ei­nen di­rek­ten Bezug zu gerichtlichen Ver­fahren und kön­nen dort auch ergeb­niswirk­sam einge­set­zt wer­den. Und zu­min­d­est ein Teil der für die Er­mittlung aufgewen­de­ten Kosten kann gemäß dem Verur­sacher­prinzip auch mit gel­tend ge­macht wer­den. Für Un­terneh­men spielt die Er­s­tat­tungs­fähigkeit von Er­mittlungskosten eher eine un­ter­ge­ord­nete Rolle, hi­er kommt es eher im Zuge von Ver­gleichsver­hand­lun­gen – zumeist be­triebs­in­tern – zu ein­er Über­tra­gung der Kosten.

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