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Abhör-Skandal bei Klinik-Konzern

24.04.2009

Die Funde sind brisant und erinnern an einen Spionage-Thriller der Sonderklasse: Gleich mehrere Wanzen wurden in der Zentrale der Asklepios-Kliniken Hamburg am Rübenkamp (Barmbek) gefunden. Vorstand, Gesamtbetriebsrat und Pressestelle sind betroffen. Die Wanzen waren professionell in die Telefonanlagen eingebaut. Bei der Staatsanwaltschaft läuft ein Vorermittlungsverfahren gegen unbekannt. Die Hintergründe liegen noch im Dunkeln. Handelt es sich um Betriebsspionage oder soll der Hamburger Standort vom Mutterkonzern in Königstein (Taunus) überwacht werden?

Der Abhör-Skandal wurde während einer Inspektion in einem Büro der Geschäftsführung entdeckt, bei dem ein versteckter Sender gefunden wurde. Daraufhin wurden die Telefone von mehreren Mitarbeitern gecheckt – es stellte sich heraus, dass insgesamt fünf Apparate „technische Auffälligkeiten" zeigten. Betroffen: die Geschäftsführer Peter Oberreuter, Christoph Mahnke und Anja Rhode, die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Katharina Ries-Heidtke und der Pressesprecher Rudi Schmidt. In einer gemeinsamen Erklärung des Unternehmens und des Gesamtbetriebsrates gegenüber der MOPO heißt es: „Zur Vorbereitung eines Strafantrags gegen unbekannt hat Asklepios daraufhin ... die Staatsanwaltschaft informiert." Die tatsächliche Betriebsfähigkeit von Teilen der Anlage sei unklar und werde nun untersucht. „Asklepios hat Ernst&Young als neutrale Institution mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt", heißt es in der Erklärung. Die Staatsanwaltschaft bestätigt gegenüber der MOPO ein Vorermittlungsverfahren in der Sache „wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes", so Sprecher Wilhelm Möllers.

Was steckt hinter dieser Abhöraktion, die bis ins Management hinauf geht? Der ehemalige Landesbetrieb Krankenhaus (LBK) hat seit seinem Verkauf vor mittlerweile fünf Jahren kaum zur Ruhe gefunden. Seit 2004 sind bereits mehrere Geschäftsführer der „Asklepios-Kliniken Hamburg GmbH" gekommen und gegangen. Dazu sind gut 2000 Mitarbeiter zur Stadt zurückgekehrt.

Wie ein Insider der MOPO berichtet, tobt hinter den Kulissen ein Machtkampf: „Im LBK hat es eine Kultur des Miteinanders gegeben. Seit dem Wechsel der Eigentümer versucht die Konzernzentrale in Königstein im Taunus die Kontrolle komplett an sich zu reißen. Es dreht sich immer wieder um die Frage: Wie eigenständig darf Hamburg handeln?"

Dabei hat der Standort Hamburg in der Vergangenheit oft ordentlich Zähne gezeigt. Seit mehr als zwei Jahren gibt es im Gesamtkonzern eine Auseinandersetzung um einen neuen Tarifvertrag. Einzig Hamburg erstritt sich im Juni 2007 einen eigenständigen Tarifvertrag. Seitdem herrscht in Hamburg ein relativer „Tariffrieden". Aber im Taunus gilt das wirtschaftlich wichtige Hamburg als der Ort mit den aufsässigsten Gewerkschaftlern.

Was auch hinter dem Lauschangriff stecken könnte: Ein anderes Unternehmen versucht, Geschäftsgeheimnisse von Asklepios auszuspähen. Der Haken: Jemand hätte unerkannt in die Büros in Hamburg gelangen müssen, um die Wanzen zu installieren. Wie in alten Bond-Filmen.

Der Chef des Klinik-Imperiums

Dr. Bernard Broermann ist der Gründer, Alleingesellschafter und „Mastermind" von Asklepios. 1984 gründete er das Unternehmen. Heute ist er einer der reichsten Männer der Welt: Auf der jährlichen „Forbes-Liste" rangierte der Mediziner und Jurist jüngst auf Platz 28 – mit einem geschätzten Vermögen von 1,9 Milliarden Euro. Asklepios ist mit Zehntausenden Mitarbeitern in Deutschland, Europa und den USA im Krankenhaus- und Pflegegeschäft aktiv. In Hamburg zählen etwa 11000 Mitarbeiter zur Firma – unter anderem in den Krankenhäusern Barmbek, St. Georg, Wandsbek, Harburg, Altona und Nord. Asklepios betreibt in Deutschland nach Auskunft der Gewerkschaften aktuell mindestens zwei eigene Leiharbeitsfirmen.

Info: Bespitzelung

E-Mail-Bespitzelung der Mitarbeiter der Deutschen Bahn, Telefon-Spionage der Telekom, Videoüberwachung der Mitarbeiter bei Lidl, die Kaffeekette Balzac – die Liste der „Spionage"-Fälle in namhaften Unternehmen ist in der Vergangenheit sprunghaft angestiegen. Dabei ist der Fall Asklepios eher ungewöhnlich. Hier ist die Manager-Ebene ebenso betroffen wie der Betriebsrat. Zudem ist die Bespitzelung über die Telefonanlage mit einer erhöhten kriminellen Energie verbunden. Denn der E-Mail-Verkehr von Mitarbeitern kann ohne großen Aufwand per Knopfdruck gelesen werden. Das Abhören eines Telefons jedoch ist technisch kompliziert. Wanzen müssen eingesetzt werden, jemand muss die Gespräche aufzeichnen. Die Gefahr, aufzufliegen, ist dabei hoch – durch einfache Inspektionen können Wanzen schnell gefunden werden. Um Betriebsspionage zu vermeiden, setzen größere Unternehmen monatliche Überprüfungen an.

Quelle: Renate Pinzke, Christian Burmeister und Thomas Hirschbiegel (Hamburger Morgenpost)
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